Deutschland ist ein gutes Land. Unsere Eltern und Großeltern haben es nach den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges wieder aufgebaut. Und auch in Städten wie Goslar, die vom Bombenhagel des Krieges verschont blieben, entstand vieles neu. Ganze Stadtteile wie Jürgenohl und später Kramerswinkel entstanden für Menschen, die in Ostpreußen, Schlesien und anderswo ihre Heimat verloren hatten. Aber nicht nur die Häuser, Straße und Fabriken, sondern auch die Kultur, die verletzten und orientierungslosen Seelen wurden hinterlassen. Aus dem Land der (Scharf-)Richter und Henker wurde wieder das Land der Dichter und Denker. Das alles war nicht einfach und oft genug auch langwierig und schmerzhaft. Aber viele in der Welt haben uns dabei geholfen.

Noch heute erscheint es rückblickend wie ein Wunder, dass gerade die Länder und Völker, denen wir aus Deutschland heraus Tod und Verderben gebracht hatten, uns Deutschen die Hand reichten. Allen voran die Europäer und Amerikaner, aber – und das war eine schier unglaubliche Geste – die Juden. Wir, die heutige Generation, stehen auf den Schultern von Riesen.

 Heute helfen wir anderen. Wir können nicht alles, aber vieles. Und nicht jeder kann zu uns kommen. Aber die, die Schutz und Hilfe brauchen, denen wollen wir Schutz und Hilfe geben. Denn wir haben etwas zu verteidigen: den Schatz der Mitmenschlichkeit, des Friedens, der Demokratie und der Versöhnung.  

 Natürlich ist nicht alles gut in Deutschland. Wie sollte das auch sein? Aber es ist besser, friedlicher, freier und demokratischer als an den meisten anderen Plätzen der Welt. Der Friedensnobelpreisträger und ehemaligeBundeskanzler Willy Brandt fasste das in einem Satz zusammen: „Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein. Im Innern und nach außen.“ Und genau das sind wir geworden.

 Und genau das wollen wir uns nicht kaputt machen lassen. Nicht durch Unachtsamkeit im Umgang mit unseren Nachbarn im eigenen Land. Und nicht durch den Rückfall in alte reaktionäre Zeiten des Nationalismus und der Überheblichkeit gegenüber den Nachbarn außerhalb unseres Landes.

 Unsere Stadt und unser Land ist kein Platz für fremdenfeindliche, rassistische und nationalistische Propaganda. Die, die sich da am 2. Juni bei uns treffen wollen, sind nicht Deutschland. Ganz im Gegenteil. Wir sind Deutschland. Und wir sind das Volk. Mit all unseren Meinungsverschiedenheiten, mit allem was uns freut und glücklich macht und auch mit allem, was uns ärgert, zornig und unzufrieden macht. Vor allem aber mit unserem Eintreten für das Land der guten Nachbarn, das uns unsere Eltern und Großeltern hinterlassen haben. Dafür einzutreten lohnt sich. Entschieden und friedlich. Klar und unmissverständlich, aber immer ohne Gewalt. Denn Deutschland ist ein gutes Land.