Sigmar Gabriel, Thomas Gottschalk und Johannes B. Kerner beim Tatort Heimat in Wolfenbüttel

Am Ende stand ein festes Versprechen: „Ich werde wieder „Wetten
dass?“ moderieren“, versprach Deutschlands wohl bekanntester
Showmaster Thomas Gottschalk den über 700 Zuschauern in der
Lindenhalle in Wolfenbüttel am 10.09.2017 und erntete damit Beifallstürme.

Auch wenn er einschränkend schmunzelnd hinzufügte: „Aber nur, wenn die SPD
die Bundestagswahl gewinnt…“.
Eine Mischung aus Humor, Ironie und ernster Unterhaltung über
schwierige Themen bestimmte den zwei Stunden-Talk, zu dem
Gastgeber Sigmar Gabriel neben Thomas Gottschalk auch Johannes B.
Kerner eingeladen hatte. Die drei saßen auf der Bühne vor einer echten
Bar mit Barkeeper sowie Klavierspieler und verbreiteten damit das
„Dämmerschoppen-Ambiente“, das der Gastgeber versprochen hatte.
„Dass Ihr beiden wirklich nach Wolfenbüttel kommt, hat mir doch keiner
geglaubt“, sagte Gabriel gleich zu Beginn, nachdem er zuvor noch von
Thomas Gottschalk zu einem kurzen spontanen „Eröffnungstanz“ auf
der Bühne überredet wurde. „Am Ende stehe ich doch alleine auf der
Bühne und entschuldige Euch wegen irgendwas“, habe man ihm
zugerufen. Umso mehr freue es ihn nun, dass beide ihre Zusagen
einhielten.

„Hollywood-Hamburg-Harz: Tatort Heimat“ lautete der Titel der
Veranstaltung, zu der sich trotzt der zeitlichen Konkurrenz mit dem
ARD-Tatort innerhalb von nur zwei Tagen über 750 Gäste angemeldet
hatten und viele Interessenten vertröstet werden mussten.
Johannes B. Kerner musste sich einige Fragen zu seinen knallroten
Socken gefallen lassen und bekam viel Beifall für seiner Forderung,
gegen die Gaffer bei Verkehrsunfällen endlich etwas zu machen –

und für seinen Appell, gerade Menschen aus sozialen Berufen besser zu
bezahlen und ihnen mehr Wertschätzung entgegen zu bringen.
Sigmar Gabriel nutzte die Gelegenheit, um die Beschäftigten in der
Automobilindustrie in Schutz zu nehmen; die Verantwortung für den
aktuellen Dieselskandal läge eindeutig bei den Vorständen. Viel
Zustimmung gab es auch für seinen Warnung vor einigen AfDVertretern:
„Erstmals seit dem Jahr 1945 könnten nach der
Bundestagswahl wieder echte Nazis am Rednerpult im Bundestag
stehen“, befürchtete er.

Thomas Gottschalk übernahm spontan kurz die Regie, als zwei kleine
Jungs mit SPD-Fahnen eher diskret die Halle verlassen wollten. Er
dirigierte Sie noch einmal zurück vor die Bühne, veranlasste das
musikalische Multitalent Jarek Bartoschek zu einem Ständchen und
sorgte so für einen „TV-gerechten“ Abgang der beiden.
Ansagerin Dunja Kreiser, von Gottschalk den ganzen Abend über
konsequent als Michelle angesprochen („bei blonden Frauen denke ich
halt immer an Michelle“), hatte ganze Arbeit zu leisten: Sie bündelte die
zahlreichen Fragen aus dem Publikum und unterbrach damit immer
wieder den Talk auf der Bühne. Nicht leicht für die SPD-Bürgermeisterin
und Landtagskandidatin aus Evessen, passende Lücken in den
Wortbeiträgen der drei Bühnengäste zu finden.
Weit über 100 Menschen hatten sich an der Frageaktion beteiligt, schon
wegen der Kürze der Zeit konnte nur ein kleiner Teil verlesen werden.
Was das Publikum am meisten umtrieb waren Probleme aus den
Bereichen Bildung, Rente – aber auch die persönliche Einschätzung
der prominenten Talker zu Alltagsfragen spielte eine Rolle. Auch
Privates kam nicht zu kurz: „Haben Sie ein Tattoo? Joggen Sie
regelmäßig?“ wollten Gäste etwa wissen.

Wer dabei glaubte, die Besucher seien in erster Linie an den
prominenten Showmastern interessiert, täuschte sich: 70 Prozent der
Fragesteller wendeten sich mit Ihren Anliegen an Sigmar Gabriel.