Seit Willy Brandt wissen wir: Ein deutscher Bundeskanzler ist nicht erpressbar. Er darf nicht mal den Eindruck zulassen, er könnte erpressbar sein. Schon gar nicht durch einen Bundesminister der eigenen Regierung oder einen Koalitionspartner. Schon der Verdacht, dies könne der Fall sein, ist tödlich für das Kanzleramt und die Handlungsfähigkeit der gesamten Regierung. Ist tödlich für die Rolle Deutschlands in Europa und der Welt. Unser Land würde zum unberechenbaren Faktor. Der CSU und ihrem Vorsitzenden scheint das alles egal zu sein. Die Staatsräson, die Handlungsfähigkeit der Regierung, die Stabilität des eigenen Landes und Europas: Das alles ist dem CSU-Vorsitzenden und seiner Partei weit weniger wichtig, als der Gesichtsverlust. Denn um den geht es längst und längst nicht mehr um die Sicherheit deutscher Grenzen.

Zuzugeben, dass sich Horst Seehofer und die CSU schlicht verzockt, verrannt und überschätzt haben, kommt in der politischen Philosophie der CSU offenbar nicht vor. Genau das aber wäre die einzige Möglichkeit einigermaßen ehrenhaft das Spielfeld zu verlassen. Irren ist schließlich menschlich – auch in der Politik. Aber weil das offenbar nicht geht, wird weiter mit dem Schicksal Deutschlands gespielt. Niemand darf das ungestraft tun. Deshalb muss der CSU-Vorsitzende und Bundesinnenminister jetzt gehen. Danach ist die CSU gefragt, ob sie Mut hat. Mut zur Umkehr. Wer den eigenen Dickkopf über das Land stellt, muss auch gehen. Was immer danach passiert, nichts kann schlimmer sein als der Eindruck, jemand könne Deutschland und Europa in Geiselhaft nehmen. Das müssen alle Verantwortlichen in der Politik verhindern.

Whatever it takes!